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Nordic Walking Stöcke: Test, Vergleich und worauf es beim Kauf ankommt

Illustriertes Porträt von Denis Heinemann Redaktion Denis Heinemann

Wer Nordic Walking Stöcke kaufen will, entscheidet über vier Dinge: Länge, Schaftmaterial, Schlaufe und Spitze. Die Länge ist die einzige Größe, die sich rechnen lässt. Die anderen drei sind Abwägungen, und nur zwei davon merkt man beim Gehen. Der folgende Vergleich ordnet sie nach dem Einfluss, den sie tatsächlich auf die Bewegung haben, und nicht nach dem Platz, den sie in Produktbeschreibungen einnehmen.

Zeichnung: drei Nordic-Walking-Stöcke nebeneinander mit Hinweislinien auf Griff, Schlaufe und Gummifuß

Stocklänge nach Körpergröße

Stocklänge 115 cm

Richtwert nach dem Faktor 0,66. Gehandelte Längen springen in 5-cm-Schritten, deshalb wird auf die nächste erhältliche Länge gerundet.

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Nordic Walking Stöcke: die vier Bauteile

Die Länge folgt der Körpergröße mit dem Faktor 0,66 und wird auf die nächste erhältliche Stufe gerundet. Sie bestimmt den Ellenbogenwinkel im Aufsetzmoment und damit, ob die Schubphase überhaupt zustande kommt. Der Schaft entscheidet über Gewicht und Vibration. Die Schlaufe überträgt den Druck, sobald sich die Hand öffnet, und ist deshalb das Bauteil, an dem sich diese Stöcke von Trekkingstöcken unterscheiden. Die Spitze mit ihrem wechselbaren Gummipuffer passt das Gerät an den Untergrund an.

Von diesen vier wirkt sich die Länge am stärksten aus, die Schlaufe am zweitstärksten. Beim Kauf wird die Reihenfolge regelmäßig umgekehrt, weil das Schaftmaterial die auffälligste Angabe auf dem Etikett ist.

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Material im Test: Aluminium, Carbon und Mischungen

Im Test der drei gängigen Schaftvarianten trennt sich das Feld weniger beim Gewicht als bei der Vibration. Aluminium ist zäh, günstig und verzeiht Seitenlast: es verbiegt sich, statt zu brechen. Dafür leitet es Vibrationen weitgehend ungefiltert in den Ellenbogen, was auf langen Asphaltstrecken auffällt. Nordic Walking Stöcke aus Carbon dämpfen deutlich besser und wiegen pro Paar rund 100 bis 150 Gramm weniger, reagieren aber empfindlicher auf punktuelle Schläge. Wer beide Varianten hintereinander testen kann, spürt den Unterschied am ehesten nach der ersten halben Stunde, nicht in den ersten Minuten.

Die verbreiteten Mischungen liegen zwischen 30 und 80 Prozent Carbon und decken den sinnvollen Bereich ab. In der Praxis ist ein Paar mit 60 Prozent für den Alltagseinsatz die unauffälligste Wahl: gedämpft genug für Asphalt, robust genug für Waldboden. Nordic Walking Stöcke aus Carbon in Reinform lohnen sich vor allem für hohe Wochenumfänge auf befestigten Wegen.

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Vergleich der Systeme: fest, verstellbar, faltbar

Der feste Schaft ist steif, leicht und wartungsfrei, aber auf eine Person festgelegt. Der verstellbare Schaft deckt einen Bereich von meist 100 bis 130 Zentimetern ab und ist damit teilbar, bringt aber eine Klemmung mit, die kontrolliert werden muss und zusätzliches Gewicht an der ungünstigsten Stelle trägt, nämlich in der Schaftmitte. Der faltbare Schaft löst ein Transportproblem und ist im direkten Vergleich der schwerste und teuerste.

Der Vergleich fällt für den regelmäßigen Einsatz eindeutig aus: fest, sofern die Stöcke einer Person gehören. Alles andere sind Kompromisse für einen bestimmten Zweck, und dieser Zweck sollte vor dem Kauf feststehen.

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Kauf: die Reihenfolge der Entscheidungen

Sinnvoll ist diese Folge: zuerst die Länge aus der Körpergröße bestimmen, dann das System nach dem Einsatzzweck wählen, dann die Schlaufe in die Hand nehmen und erst zuletzt über das Material entscheiden. Wer Nordic Walking Stöcke kaufen möchte und die Reihenfolge einhält, kommt mit einem mittleren Budget weiter als mit einem hohen und der umgekehrten Folge.

Dasselbe gilt für die Schlaufe, die bei intensivem Gebrauch vor dem Schaft verschleißt.

Eine letzte Prüfung vor dem Kauf betrifft die Ersatzteile: Puffer und Teller müssen einzeln nachkaufbar sein. Bei manchen günstigen Modellen sind sie fest verklebt, und dann ist das Verschleißteil das Ende des Stocks.

Zum Gewicht noch eine Einordnung, weil es in Produktangaben stark betont wird. Der Unterschied zwischen einem leichten und einem schweren Paar liegt bei etwa 100 bis 150 Gramm. Auf einer Stunde mit rund 3.500 Armbewegungen summiert sich das durchaus, aber es wirkt an der falschen Stelle: spürbar wird es in der Schulter am Ende einer langen Einheit, nicht in der Leistung. Wer zwischen Gewicht und passender Schlaufe wählen muss, nimmt die Schlaufe.

Zwei Dinge lassen sich im Laden prüfen und online nicht: ob die Schlaufe ohne Druckstellen am Daumenballen sitzt und ob der Griff bei geöffneter Hand nicht wegkippt. Beides ist ein Ausschlusskriterium, unabhängig davon, wie gut die übrigen Daten aussehen.

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Die Schlaufe im Detail

Die Schlaufe ist das Bauteil, an dem sich die Disziplin von jeder anderen Stockdisziplin trennt, und sie ist gleichzeitig das am seltensten geprüfte. Ihre Aufgabe beginnt genau in dem Moment, in dem die Hand sich hinter der Hüfte öffnet: ab da hängt der Stock allein an ihr, und der gesamte Druck der Schubphase läuft über das Band am Daumenballen und über den Handrücken.

Zwei Bauformen sind verbreitet. Die einfache Bandschlaufe ist eine verstellbare Schlinge, beidseitig verwendbar und günstig. Die Handschuh- oder Klettschlaufe umschließt die Hand wie ein fingerloser Handschuh, überträgt den Druck auf eine größere Fläche und sitzt präziser, ist dafür seitenspezifisch und in der Regel nur mit Stöcken derselben Marke kombinierbar. Für hohe Umfänge ist die zweite Bauform die angenehmere, für gelegentliches Gehen genügt die erste.

Prüfen lässt sich beides in wenigen Sekunden: Hand hineinlegen, Griff loslassen, Arm nach hinten strecken. Bleibt der Stock in Verlängerung des Arms hängen, ohne dass sich das Band in den Daumenballen schneidet, ist die Schlaufe richtig eingestellt. Kippt der Griff weg oder rutscht die Hand nach vorn, sitzt sie zu weit oder falsch verdreht.

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Spitzen, Puffer und der Untergrund

Unter jedem Gummipuffer sitzt eine Hartmetallspitze, und beide sind für verschiedene Untergründe gedacht. Auf Asphalt und festen Wegen bleibt der Puffer aufgesteckt: die Spitze würde dort abrutschen, lärmen und schneller verschleißen als der Puffer. Auf Waldboden, Schotter, Wiese und Schnee wird der Puffer abgezogen, weil nur die Spitze genügend Widerstand findet.

Der Puffer selbst ist ein Verschleißteil und je nach Belastung nach 300 bis 800 Kilometern durch. Erkennbar ist das nicht am Aussehen, sondern am Verhalten: sobald die Spitze bei schrägem Aufsetzen auf Asphalt durchrutscht, ist der Gummi entweder abgelaufen oder einseitig ausgeschliffen. Der Winkel der Auflagefläche gehört zur Konstruktion, weshalb ein schräg aufgesetzter Puffer flächig aufliegen und nicht auf der Kante stehen soll.

Auf Schnee kommen Teller zum Einsatz, wie beim Skilanglauf, damit die Spitze nicht einsinkt. Wer im Winter auf gestreuten Wegen unterwegs ist, geht dagegen ohne Puffer und mit blanker Spitze, weil Rollsplitt und Eis dem Gummi keinen Halt geben.

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Sonderfälle: Kinder, große Körpergrößen und Leihgeräte

Bei Kindern führt die 0,66-Regel ins Leere, weil sich die Körpergröße schneller ändert als eine Stocklänge sinnvoll gekauft werden kann. Hier ist der verstellbare Schaft die vernünftige Ausnahme von der Empfehlung für feste Stöcke, und zwar mit dem Verstellbereich nach oben statt mittig gewählt.

Am oberen Ende der Körpergröße wird es umgekehrt eng: über etwa 195 Zentimetern Körpergröße ergibt die Rechnung Längen, die im Handel nicht mehr durchgehend geführt werden. Dann bleibt entweder ein verstellbares Modell am oberen Anschlag oder ein Langlaufstock, der in längeren Größen erhältlich ist und sich mit einer passenden Schlaufe nachrüsten lässt.

Zur Pflege gehört wenig, und das Wenige entscheidet über die Lebensdauer. Verstellbare Schäfte werden nach nassen Einheiten auseinandergezogen und offen getrocknet, weil Feuchtigkeit in der Klemmung sonst zu Korrosion und zu nachgebendem Sitz führt. Die Puffer werden gewechselt, sobald sie einseitig abgelaufen sind, nicht erst wenn sie durch sind. Und Schlaufenbänder gehören gelegentlich in die Handwäsche, weil Salz aus dem Schweiß das Gewebe hart macht und dann Druckstellen erzeugt.

Leihgeräte in Hotels und bei Kursen sind fast immer verstellbar und fast immer zu lang eingestellt, weil die Voreinstellung selten verändert wird. Die Länge vor der ersten Runde selbst zu prüfen kostet eine Minute und ist der Unterschied zwischen einer geübten und einer unbrauchbaren Einheit.

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Häufige Fragen

Fest, verstellbar oder faltbar?

Für den regelmäßigen Einsatz auf gleichbleibender Strecke ist der feste Schaft die erste Wahl: er ist leichter, steifer und hat keine Klemmung, die sich lösen kann. Verstellbare Stöcke lohnen sich, wenn mehrere Personen dieselben Stöcke nutzen. Faltbare sind eine Reise-Entscheidung und erkaufen die Packmaße mit Gewicht an den Verbindungsstellen.

Wie viel Carbon ist sinnvoll?

Ab etwa 60 Prozent wird der Unterschied in der Vibrationsdämpfung auf Asphalt deutlich spürbar. Zwischen 80 und 100 Prozent ist der Zugewinn klein und der Preisunterschied groß. Reines Carbon ist zudem empfindlicher gegen Schlagbelastung von der Seite, etwa wenn ein Stock zwischen Steine gerät.

Wozu dient die Schlaufe genau?

Sie überträgt den Druck der Schubphase auf den Stock, nachdem sich die Hand geöffnet hat. Ohne funktionierende Schlaufe müsste der Stock festgehalten werden, und damit arbeitet das Handgelenk gegen den Widerstand. Eine Handschuh-Schlaufe mit Klettverschluss sitzt präziser als eine einfache Bandschlaufe, ist dafür aber an eine Seite gebunden.

Gummipuffer oder Hartmetallspitze?

Beides, je nach Untergrund. Auf Asphalt und festen Wegen kommt der Gummipuffer zum Einsatz, weil die Hartmetallspitze dort abrutscht und lärmt. Im Gelände, auf Waldboden, Schotter und Schnee greift die Spitze. Die Puffer sind Verschleißteile und halten je nach Belastung 300 bis 800 Kilometer.

Sind Trekkingstöcke eine Alternative?

Nur eingeschränkt. Sie sind meist länger, schwerer und tragen eine Schlaufe, die auf Stützen ausgelegt ist, nicht auf Schub. Wer den vollen Armzug geht, merkt den Unterschied sofort in der Schubphase.

Wie erkennt man Verschleiß am Schaft?

An der Klemmung bei verstellbaren Modellen und an der Spitzenaufnahme. Ein Schaft, der sich unter Druck hörbar setzt, hat Spiel in der Verbindung. Feine Längsrisse im Carbon sind ein Austauschgrund, weil sie unter Seitenlast weiterreißen.

Was kosten brauchbare Stöcke?

Die untere brauchbare Grenze liegt bei etwa 50 bis 60 Euro für ein festes Aluminium-Carbon-Paar mit ordentlicher Schlaufe. Darunter wird meist an der Schlaufe und der Spitzenaufnahme gespart, also genau an den beiden Teilen, die den Krafteinsatz übertragen.

Muss die Länge exakt stimmen?

Auf fünf Zentimeter genau genügt, weil die Handelsstufen ohnehin so springen. Wer zwischen zwei Längen liegt und den Ablauf noch lernt, nimmt die kürzere: sie lässt dem Arm mehr Raum, hinter der Hüfte durchzustrecken.